| Geschichte |
|||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
||||||||||||||||||||||||||
| Nasca | Stadt im Süden von Peru |
| Nazca | prä-inkaische Kultur der über Jahrhunderte vergessenen Bevölkerung im Fluss-Oasen-Bereich des Rio Grande und der Küste |
| 1500 n. Chr. |
Inka
|
|
Chincha |
|
| 1000 n. Chr. | |
|
Küsten-Tiahuanco
|
|
| 500 n. Chr. | |
|
Nazca
|
|
| 500 v. Chr. |
Paracas Necropolis
|
|
Paracas Cavernas
|
|
| 1000 v. Chr. | |
| 1500 v. Chr. |
frühe Siedler
|
In näherer und weiterer Umgebung der Stadt Nasca in Peru befinden sich auf der Oberfläche der ebenen, wüstenähnlichen Pampa künstlich hervorgerufene Veränderungen, die "Erdzeichnungen" oder "Geoglyphen": gerade Linien, dreieckige und viereckige Flächen sowie figürliche Darstellungen. Vom Boden aus werden sie kaum erkannt, dagegen sehr gut und deutlich beim Überflug.

Besonders aus der Luft klar erkennbare Figuren
Die Ursache dieser Bodenveränderung ist weder mündlich noch schriftlich überliefert worden. Die Geoglyphen stammen aus einer prä-inkaischen Zeit. Wegen des Fehlens einer überlieferten Bedeutung gibt es sehr verschiedene Hypothesen. Keine erklärt bisher alle verschiedenartigen Bodenveränderungen gemeinsam als Spuren einer Funktion im Zusammenhang.
Im Folgenden sei eine weitere Hypothese zur Bedeutung der Geoglyphen hinzugefügt, für die es einige gute Gründe gibt:
- 1 -
Es ist vorstellbar, die Menschen der Nazca-Kultur beherrschten ein Fliegen mit Drachen, die
an Leinen gefesselt aufsteigen und niederkommen konnten, aber auch von
der Halteleine befreit als Gleiter niederzugehen vermochten. Trotz der
steinzeitlichen Kultur bestand die technische Voraussetzung zur Herstellung
solcher Drachen durch Fertigung von Fäden und Geweben. Das ist aus
vielen Grabfunden bekannt.
Die Möglichkeit wird auch durch die bekannte zweitausendjährige
Geschichte des bemannten Drachens in Asien unterstrichen.
- 2 -
Darstellungen auf Keramiken und Textilien der Nazca-Kultur (einschließlich der Paracas-Funde) geben in auffälliger Weise schwebende und stürzende Gestalten wieder. Diese Darstellungen weisen darauf, dass den Urhebern ein Schweben und Stürzen bekannt war, auch wenn sie selbst nicht zur "fliegenden Personengruppe" gehörten. Eine systematische Auswertung der Darstellungen auf Funden nach "flugtechnischen" Gesichtspunkten ist bisher nicht erfolgt. Ein Fliegen mit Drachen wurde bisher nicht angenommen.

Darstellung eines geflügelten Wesens auf Textilien
der Nazca-Kultur
- 3 -
Die Veränderungen der Erdoberflächen sind denkbar als Reste eines Systems von Wegen und Flächen, das einstmals eine funktionelle Bedeutung für das Starten und Landen sowie für die Orientierung fliegender Personen hatte. Dank der besonderen meteorologischen Verhältnisse blieben die Spuren bei Nasca verhältnismäßig gut über mehr als tausend Jahre erhalten. Dadurch ist aus ihnen eine Rekonstruktion der Flugmethode herauszulesen.

Geoglyphen in der Pampa
- 4 -
Um fliegen zu können, muss ein Drachen von einer Luftströmung angeblasen werden. Bei ausreichend starker Strömung kann eine widerstandsfähige Fläche, wie sie der an der einen Leine gefesselte Drachen darstellt, bei zweckmäßig schräger Anstellung gehoben werden. Das Steigenlassen von Drachen ist ein beliebtes Kinderspiel. Wenn dafür der Wind als anblasende Strömung zu schwach ist, kann die Strömung dadurch verstärkt werden, dass der Drachen angehoben wird und gegen den Wind sehr schnell gelaufen wird.
Um auf der mit scharfkantigen Steinen übersäten Fläche bei Nasca schnelle und geradeaus gerichtete Laufbewegungen gegen den Wind vornehmen zu können, war es erforderlich, in Richtung gegen den zu der Zeit herrschenden Wind alle hindernden Steine beiseite zu räumen.
Dadurch entstehen Laufwege für eine ungehindertes Aufziehen der Drachen. Weil es bei Nasca mehrere vorherrschende Windrichtungen gibt, wurden "Linien" in unterschiedlichen Richtungen angelegt.
- 5 -
Größere Drachen, insbesondere Drachen, die Lasten heben sollten,
benötigten lange gerade Laufwege für ganze Gruppen schnell laufender
Personen zum Ziehen der Drachenleine.
Bei Nasca finden wir einzelne und auch parallel verlaufende doppelte Laufwege, sodass zwei parallele Gruppen schneller Läufer
zum Hochziehen von Drachen Starthilfe leisten konnten.

- 6 -
Die starke Sonneneinstrahlung bei Nasca erzeugt thermische Vertikalwinde mit großer Hebewirkung. Sie werden aber erst oberhalb der schwächeren, mehr horizontal wehenden Bodenwinde voll wirksam. Drachen, die in Höhen oberhalb der Bodenwinde gebracht werden, werden von diesen starken thermischen Luftströmungen höher als von den schnell laufenden Starthilfen gehoben.
Bei ausreichend großen Drachen können als Lasten auch Menschen
in die Höhe gehoben werden. Im 19. Jahrhundert waren derartige bemannte
Drachenaufstige auch in Europa in militärischer Nutzung bekannt.
In der ersten Phase könnten Gefangene unfreiwillig aufgelassen worden
sein. Sobald einige von ihnen nach Einziehen der Drachenleinen lebend
wieder den Erdboden erreichten, dürfte es gereizt haben, solche Flüge
mit Drachens freiwillig zu versuchen. Neben praktischen Anwendungen ist
die Entwickluung dieser Technik zu zeremoniellen oder religiösen
Ritualen oder zur Demonstration von Macht leicht denkbar.
- 7 -
Durch das Einholen der Halteleinen lässt sich eine Landung des Fesseldrachens einleiten. Für daran befestigte Personen oder Lasten besteht im Bereich der schwächeren Bodenwinde die Gefahr der Beschädigung durch unerwartete Bewegungen des Fluggeräts. Diese können jedoch durch schnell herbeieilende Personen abgefangen werden. Doch dafür benötigten sie einen größeren Freiraum, als nur die Breite eines Laufweges. Bei Nasca sind am Ende vieler Laufwege Verbreitungen zu Flächen vorgenommen worden, die von Steinen frei geräumt wurden. So enden Laufwege als Dreiecke oder Trapeze.

Außer den dreieckigen und trapezförmigen Verbreiterungen der
Laufwege finden wir bei Nasca auch von Steinen frei geräumte größere
rechteckige Bodenflächen. Die größere Fläche eignet
sich für Übungen zum Steigenlassen und Absenken von Drachen
bei verschiedenen Windrichtungen. Sie erlauben größere Bewegung
in mehrere Richtungen. So konnten die großen frei geräumten
Flächen mehreren Zwecken dienen und dürfen insbesondere wohl
als "Übungsfelder" angesprochen werden.
- 8 -
Menschen, die, gezwungen oder freiwillig die Technik des Flugs mit Fesseldrachen
beherrschen lernen und sich an den ungewohnten Flugzustand gewöhnen,
werden die Erfahrung machen, dass sie durch ihre Bewegungen den Flugzustand
beeinflussen.
Der moderne Hängegleiter wird durch Beeinflussung der Lage des Schwerpunktes
mittels einer starren, trapezförmigen Lenkeinrichtung durch die unter
dem Drachen hängende Person gesteuert. In der Nazca-Kultur könnte
im Laufe der Flüge mit gefesselten Drachen die unter den Drachen
hängende Persone die Möglichkeit erhalten haben, die Stellung
der Drachenfläche im Wind zu verändern. Das verwandelt den Drachen
in einen Hängegleiter, der nur von der Leinenverbindung gelöst
werden muss, um zum gesteuerten frei fliegenden Drachen zu werden. Die
Entwicklung des Hängegleiters vor ca. vierzig Jahren ging exakt diesen
Weg.
Starke Hang- und thermische Aufwinde vermögen das gleitende Absinken zu reduzieren und sogar zu überwinden, sodass der Drachen im Aufwind zu steigen vermag. Die starke Sonneneinstrahlung über den Wüstenflächen bei Nasca erzeugt sehr starke thermische Aufwinde. Die technische Veränderung eines im Fesselflug fliegenden Drachen in einen frei fliegenden, lenkbaren Hängegleiter ist auch unter den technischen Bedingungen der Nazca-Kultur denkbar.
- 9 -
Bei einem freien Fliegen in kräftigen Aufwinden ergeben sich Flugbewegungen
über Grund, die das Fluggerät weit von dem Laufweg der Starthelfergruppe
und damit von helfenden Personen für die Landung und Bergung des
Geräts forttragen und machen Orientierungshilfen nötig, damit
man schnell zur zugehörigen Bodenmannschaft zurückfindet. Eine
solche Orientierung ist über dem graubraunen Wüsten-Gelände
ohne natürliche Orientierungshilfen schwer möglich. Die fehlenden
Orientierungshilfen lassen sich jedoch sehr leicht nach der gleichen Methode
des Anlegens von Laufwegen durch Beiseitewerfen der Steine herstellen.
Da sich diese Orientierungshilfen deutlich von den geraden Laufwegen und
Flächen unterscheiden müssen, gleichzeitig aber gut erkennbar
sein sollen, bieten sich figürliche Darstellungen an.
Bei Nasca wurden figürliche Darstellungen von Tieren, Pflanzen, Spiralen und anderen Zeichen geschaffen. Sie sind sehr deutlich aus der Luft zu erkennen.

Der "Kolibri", Ausdehnung: ca. 100 m
Diese echten Erdzeichnungen oder Geoglyphen lehnen sich in der stilistischen Formgebung an Darstellungen der Nazca an. Sie sind jedoch primär keine künstlerische oder ästhetische Funktion erfüllen, sondern könnten als leicht zu identifizierende Bodenmarken gedient haben. Diese Zeichen könnten in der vorliegenden Hypothese ein Indiz sein, dass in Nazca nicht nur "gefesselt", sondern auch "frei" geflogen wurde. Der Weg vom Drachen zum Hängegleiter ist auch auf dem Stand der Technik in der Nazca-Kultur als möglich anzusehen.
- 10 -
In einer einfacheren Erklärung könnten die figürlichen Darstellungen auch eine heraldische Funktion erfüllen, die Startplätze kennzeichnen oder ihr Sichtbarwerden aus der Luft das kultische Ziel eines bemannten Flugs gewesen sein. Naheliegend ist, dass die frühe Fliegekunst sekundär im Dienst herrschender Glaubensvorstellungen gestanden hat, da eine "Erhöhung" von "privilegierten" Personen gut in kultische Machtdemonstrationen passt.

Die "Spinne", Ausdehnung: ca. 60 m
Auch dies ist eine Hypothese. Indizien fehlen oder wurden sie bisher nicht beachtet?
Die primitiven Drachen bestanden wahrscheinlich nur aus leichtem Bambus-Gestänge,
das durch Schnur zusammengehalten wurde und aus einer textilen Bespannung.
Diese Materialien können im demontierten Zustand als Grabbeigaben
Verstorbenen oder Verunglückten mitgegeben worden sein.
Geben Keramiken und Textilien Hinweise auf eine Technik früh
möglichen Fliegens, zumal die Kultur der Nazca
auffallend viele schwebende Gestalten zur Darstellung brachte?
Gibt es indianische Flugsagen und Überlieferungen?. Letztlich fand auch Heinrich Schliemann durch eine bis dahin "unglaubliche Sage" das verlorengegangene Troja.
Den aktuellen Forschungsstand, sowie Film- und weitere Bilddokumente zu den Geoglypen und dem Versuch Ihrer Erklärung liefert die online-Enzyklpädie Wikipedia.